Das Minarett von Lednice: Höchstes nicht-islamisches Minarett Europas
Das Minarett im Schlosspark von Lednice ist eine der außergewöhnlichsten architektonischen Sehenswürdigkeiten Tschechiens und ganz Mitteleuropas. Mit einer Höhe von rund 60 Metern ist es das höchste nicht-islamische Minarett in Europa und ein faszinierendes Zeugnis der romantischen Begeisterung für orientalische Architektur im späten 18. Jahrhundert. Der markante Turm erhebt sich zwischen jahrhundertealten Bäumen am Ufer eines malerischen Teichs und gehört zu den meistfotografierten Motiven des gesamten Lednice-Valtice-Areals.
Geschichte: Ein orientalischer Traum in Mähren
Das Minarett wurde zwischen 1797 und 1802 im Auftrag von Fürst Alois I. von Liechtenstein erbaut. Der Entwurf stammt vom berühmten Architekten Josef Hardtmuth, der auch als Erfinder des modernen Bleistifts in die Geschichte eingegangen ist und die noch heute existierende Firma Koh-i-Noor Hardtmuth gründete. Hardtmuth schuf ein Bauwerk, das maurische und osmanische Stilelemente mit europäischer Bautechnik auf meisterhafte Weise vereint.
Der Bau des Minaretts war Teil einer umfassenden Umgestaltung des Schlossparks zu einem englischen Landschaftsgarten, wie es im späten 18. Jahrhundert in den Kreisen des europäischen Hochadels Mode war. Die Fürsten von Liechtenstein ließen im gesamten Park romantische Folien und Kleinarchitekturen errichten — darunter den Apollotempel, das Grenzschlösschen (Janův hrad), den Dianatempel und das Aquädukt. Das Minarett war jedoch das ambitionierteste und kostspieligste dieser Projekte.
Ursprünglich hatte Fürst Alois I. den Bau einer neugotischen Kapelle an dieser Stelle geplant. Die lokale Kirchengemeinde legte jedoch energisch Widerspruch ein, da der vorgesehene Standort als zu weltlich und unpassend für ein Gotteshaus galt. Verärgert über diese Ablehnung entschied sich der Fürst in einer Mischung aus Trotz und Kunstsinnigkeit für den Bau eines Minaretts — eine bewusste Provokation und zugleich Ausdruck seiner kosmopolitischen Weltanschauung.
Architektur und Konstruktion
Äußere Gestaltung
Das Minarett vereint Elemente verschiedener orientalischer Architekturstile zu einem harmonischen Ganzen. Der schlanke, achteckige Turm verjüngt sich nach oben und wird von einer zierlichen Galerie mit maurischen Hufeisenbögen gekrönt. An seinem Fuß befindet sich ein Sockelgebäude im Stil einer kleinen Moschee, dessen Fassade mit arabischen Ornamenten, Koranversen in kunstvollen Kalligraphien und geometrischen Mustern verziert ist.
Die vier Ecken des Sockelgebäudes werden von schlanken, zierlichen Türmchen flankiert, die dem gesamten Bauwerk eine elegante und zugleich exotische Silhouette verleihen. Die Fassade besteht aus hellem Sandstein, der im Licht der untergehenden Sonne einen warmen goldenen Ton annimmt und dem Bauwerk eine fast unwirkliche, märchenhafte Ausstrahlung verleiht.
Innenräume und Aufstieg
Im Erdgeschoss des Minaretts befinden sich drei repräsentative Säle, die mit aufwändigen orientalischen Motiven ausgeschmückt sind. Arabische Kalligraphien, geometrische Muster und stilisierte Pflanzenmotive zieren die Wände und Decken dieser Räume. Die Säle dienten den Liechtensteiner Fürsten als exotischer Rückzugsort für private Empfänge und gesellschaftliche Zusammenkünfte fernab des Schlossalltags.
Vom Erdgeschoss aus führen insgesamt 302 Stufen über eine enge, gewundene Wendeltreppe hinauf zur Aussichtsgalerie an der Spitze des Turms. Der Aufstieg ist anspruchsvoll und nichts für Menschen mit Klaustrophobie, aber die Mühe lohnt sich: Oben angekommen bietet sich ein überwältigender 360-Grad-Panoramablick über den Schlosspark, die Auen der Thaya (Dyje) und bei klarer Sicht bis zu den Kleinen Karpaten in der Slowakei und den Pollauer Bergen (Pálava).
Technische Daten des Minaretts
Höhe: ca. 60 Meter | Stufen: 302 | Erbaut: 1797–1802 | Architekt: Josef Hardtmuth | Bauherr: Fürst Alois I. von Liechtenstein | Stil: Maurisch-osmanisch | Material: Sandstein und Ziegel | Grundriss: Achteck mit quadratischem Sockelgebäude | UNESCO-Schutz: seit 1996 als Teil des Lednice-Valtice-Areals
Panoramablick von der Aussichtsgalerie
Die Aussichtsgalerie auf der Spitze des Minaretts bietet einen der eindrucksvollsten Ausblicke in ganz Südmähren. Bei klarem Wetter reicht die Sicht über 50 Kilometer weit in alle Himmelsrichtungen. Von der Galerie aus können Sie unter anderem folgende Sehenswürdigkeiten und Landschaften erkennen:
- Schloss Lednice — die neugotische Schlossfassade in ihrer vollen Pracht, eingebettet in den grünen Park
- Schlosspark — die weitläufige englische Parkanlage mit ihren Teichen, Wasserläufen und Alleen
- Pollauer Berge (Pálava) — das markante Kalksteinmassiv mit seinen terrassierten Weinbergen
- Schloss Valtice — die barocke Schwesterresidenz der Liechtensteiner, 8 km entfernt
- Reistna-Kolonnade — die monumentale Säulenhalle auf einem Hügel zwischen Lednice und Valtice
- Thaya-Auen — die naturbelassenen Auenlandschaften entlang des Flusses Dyje
Eintrittspreise 2026
| Kategorie | Preis |
|---|---|
| Erwachsene | 120 CZK |
| Kinder (6–15 Jahre) | 80 CZK |
| Senioren (65+) | 80 CZK |
| Studierende (mit Ausweis) | 80 CZK |
| Kinder unter 6 Jahren | Frei |
| Familienticket (2 Erw. + 3 Kinder) | 350 CZK |
Preise ohne Gewähr. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch über aktuelle Tarife auf der Website der Nationalen Denkmalbehörde (NPÚ).
Öffnungszeiten 2026
| Zeitraum | Tage | Öffnungszeit |
|---|---|---|
| April | Sa, So, Feiertage | 10:00 – 16:00 |
| Mai – Juni | Di – So | 09:00 – 17:00 |
| Juli – August | Di – So | 09:00 – 18:00 |
| September | Di – So | 09:00 – 17:00 |
| Oktober | Sa, So, Feiertage | 10:00 – 16:00 |
| November – März | Geschlossen | |
Montags ist das Minarett ganzjährig geschlossen. Bei extremen Wetterbedingungen (Sturm, Gewitter, Vereisung) kann das Minarett aus Sicherheitsgründen kurzfristig geschlossen werden. Der letzte Einlass erfolgt 30 Minuten vor Schließung.
Praktische Tipps für Ihren Besuch
Das Minarett befindet sich im Schlosspark, etwa 1,5 Kilometer vom Schloss Lednice entfernt — ein angenehmer Spaziergang von rund 20 Minuten durch den wunderschönen englischen Landschaftsgarten. Der Weg ist gut ausgeschildert und führt durch schattige Alleen. Alternativ können Sie eine Kutschfahrt zum Minarett nehmen, die während der Saison regelmäßig vom Schloss aus startet.
Tragen Sie festes Schuhwerk, da die 302 Stufen der engen Wendeltreppe steil und teilweise abgenutzt sind. Der Aufstieg dauert etwa 10 bis 15 Minuten und ist für Personen mit Höhenangst oder Klaustrophobie nur bedingt geeignet. Die Aussichtsgalerie ist schmal und bietet Platz für maximal 15 Personen gleichzeitig, weshalb es in der Hochsaison zu Wartezeiten kommen kann.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie hoch ist das Minarett von Lednice?
Das Minarett ist rund 60 Meter hoch und damit das höchste nicht-islamische Minarett in ganz Europa. Um die Aussichtsgalerie an der Spitze zu erreichen, müssen 302 Stufen über eine enge Wendeltreppe bewältigt werden.
Ist das Minarett für Kinder geeignet?
Kinder ab etwa 6 Jahren können den Aufstieg in Begleitung eines Erwachsenen in der Regel gut bewältigen. Für kleinere Kinder ist die enge und steile Wendeltreppe weniger geeignet. Die Aussichtsgalerie verfügt über ein sicheres, ausreichend hohes Geländer.
Wie lange dauert der Aufstieg?
Der Aufstieg über die 302 Stufen dauert je nach körperlicher Fitness etwa 10 bis 15 Minuten. Planen Sie insgesamt etwa 30 bis 45 Minuten für den gesamten Besuch ein, einschließlich der Besichtigung der Erdgeschossräume und der Zeit auf der Aussichtsplattform.
Gibt es einen Aufzug im Minarett?
Nein, das historische Bauwerk verfügt über keinen Aufzug. Die Aussichtsgalerie ist ausschließlich über die Wendeltreppe erreichbar. Die drei repräsentativen Erdgeschossräume sind jedoch ebenerdig zugänglich.
Warum steht ein Minarett in Tschechien?
Das Minarett wurde als romantische Parkfollie im Auftrag von Fürst Alois I. von Liechtenstein erbaut. Es diente nie religiösen Zwecken, sondern war Ausdruck der damaligen Begeisterung für orientalische Architektur und Exotik. Der Bau war auch eine trotzige Reaktion auf die Weigerung der Kirche, an dieser Stelle eine Kapelle errichten zu lassen.
Kann man das Minarett bei Regen besuchen?
Bei normalem Regen ist das Minarett geöffnet, allerdings kann die Aussicht eingeschränkt sein. Bei Sturm, Gewitter oder Vereisung wird das Minarett aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Erdgeschossräume können auch bei schlechtem Wetter besichtigt werden.
Wie komme ich vom Schloss zum Minarett?
Das Minarett liegt etwa 1,5 Kilometer vom Schloss entfernt im Schlosspark. Sie können zu Fuß gehen (ca. 20 Minuten), mit der Kutsche fahren oder ein Fahrrad ausleihen. Der Weg ist gut ausgeschildert und führt durch den malerischen Landschaftspark.
Muss ich Eintritt für den Schlosspark bezahlen?
Der Schlosspark selbst ist frei zugänglich und ganzjährig geöffnet. Eintritt wird nur für die Innenbesichtigung des Minaretts und den Aufstieg zur Aussichtsgalerie erhoben.
Ist das Minarett barrierefrei?
Die drei Erdgeschossräume sind ebenerdig zugänglich und damit auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Der Aufstieg zur Aussichtsgalerie ist aufgrund der engen Wendeltreppe leider nicht barrierefrei möglich.
Wer hat das Minarett entworfen?
Das Minarett wurde vom Architekten Josef Hardtmuth (1758–1816) entworfen, der auch als Erfinder des modernen Bleistifts und Gründer der Firma Koh-i-Noor Hardtmuth bekannt ist. Er war einer der bedeutendsten und vielseitigsten Architekten im Dienst der Fürsten von Liechtenstein.
