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Sie brauchen weder ein begeisterter Biologe zu sein noch eine Eins in Biologie zu haben, um vom Gewächshausbesuch fasziniert zu sein. Es ist eigentlich besser, wenn Sie sich für die Pflanzenwelt nicht zu viel interessieren: dieser Teil der Exposition nimmt Sie ganz schön durch seine Unmittelbarkeit, Originalität und Authentizität mit. Auf den Kopf tröpfelt heißes Wasser, in den Ohren klingt das Geplätscher goldener Karpfen im See, den Geruchsinn betört das wilde Aroma der Orchideen. Die Luft wird durch die Hitze schwer und Tautropfen glänzen in zierlichen Tröpfchen im Laubwerk...
Wie alles im Lednicer Schloss – einfach romantisch! Die Liechtensteiner waren jedoch keine großen Biologen und beriefen für die Einrichtung des Gewächshauses und des Gartens deshalb Fachleute ein. Die besten Gärtner reisten quer durch Südamerika, um geeignete Samen tropischer und subtropischer Vegetation zu sammeln, die durch ihre Schönheit und Eleganz das Liechtensteiner Herrengut bereichern würden. Dabei verfolgten sie nur dieses Ziel: dass das Treibhaus während des ganzen Jahres schön bleibt. Hiesige Gärtner laden immer zu einem Besuch außer im Januar ein (da ist es aus Betriebsgründen geschlossen). Es blüht hier immer irgendetwas; die Natur selbst bildet in jeder Jahreszeit eine originelle Ausstellung.
Das Schlossgewächshaus ist als Ziertreibhaus gedacht und betrieben. Wenn man will, bekommt man die Liste der lateinischen Pflanzennamen der hier wachsenden Blumen und kann sie nach Nummern finden. Wir können aber ruhig daran zweifeln, dass die Prinzen und Gräfinnen, die das Schloss bewohnten, alles bis ins einzelne untersuchten. Sie kamen hierher, um sich auszuruhen, und der einzige Baum, den sie kannten, war der, heute mit der Holztabelle markierte, Encephalartos Altensteinii. Er ist nämlich der älteste von allen im Treibhaus – er ist ca 300-400 Jahre alt.
Das Lednicer Treibhaus ist eine technische Sehenswürdigkeit. Es wurde in den Jahren 1843 bis 1845 gebaut, als sich alles nach England orientierte. Dort kamen sie auf die Idee eine Gusseisenkonstruktion zu benutzen, die leichte, oft gläserne Tafeln tragen. Glasdächer boten den Märkten genauso wie den gezüchteten Pflanzen Schutz. Die Lednicer Orangerie ersetzte das majestätische Ziertreibhaus, deren Dachkonstruktion Gusseisensäulen in Bambusform mit künstlichen Dekorationsblättern tragen. Die gläsernen „Schuppen“ sind zweifarbig, damit man besser erkennen kann, was von dem originellen Bau erhalten blieb und was renoviert wurde. Unter dem Palmen- und Bananenbäumenlaub ist die Büste des letzten Schlossgärtners versteckt, der den Liechtensteinern diente. Alles ergänzt sich perfekt – auch die Bänke inmitten des „Urwaldes“ sehen aus als wären sie hier durch die Hand der Natur erschienen.
Das Schlosstreibhaus ist 92 m lang, 13 m breit und 10 m hoch. Während der Besichtigung werden Sie nicht von einem Führer aufgehalten oder getrieben, es hängt völlig von Ihnen ab, welches Tempo Sie wählen, wie viel Liter frischer gesunder Luft Sie atmen und wie viele Schritte Sie machen. Das Treibhaus ist auch an Winterwochenenden offen. Zögern Sie nicht hierher zu kommen, um sich aufzuwärmen.
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